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Bischofsweg LkwPressemitteilung des ADFC Dresden e.V. vom 11.06.2019

ADFC Dresden fordert engagierteres Vorgehen gegen zu geringe Überholabstände und Zuparker

Die Polizei hat 2018 10% mehr Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung registriert. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht diese Entwicklung mit Sorge. Ein Teil der Erklärung ist allerdings eine positive: Der Radverkehrsanteil steigt und insbesondere das trockene Jahr 2018 hat besonders viele Menschen für das Fahrrad begeistert. Doch nicht nur der Anteil der auf dem Rad zurückgelegten Wege hat sich erhöht, sondern auch die absolute Zahl der Radfahrten. Das Bevölkerungswachstum und insbesondere der Zuzug vieler junger Menschen sorgen ebenfalls dafür, dass mehr Fahrräder auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs sind. Innerhalb der letzten zehn Jahre beobachtete die Stadt Dresden eine Zunahme des Fahrradfahrten über die Elbbrücken von 60%. Die deutliche Zunahme von Fahrradfahrten in einer immer enger werdenden Stadt führt nahezu unweigerlich zu einem Anstieg der absoluten Unfallzahlen.

Die Ergebnisse des Fahrradklima-Test 2018 des ADFC bestätigen, dass Dresdner Radfahrerinnen und Radfahrer sich gefährdet fühlen und dass nicht genug getan wird, um für ihre Sicherheit zu sorgen. Unter den Befragten aus Dresden war die Wahrnehmung von 78%, dass es „großzügig geduldet wird, wenn Autofahrer/innen auf Radwegen parken". Zuparker verhindern nicht nur ein zügiges Vorankommen von Radfahrenden, sondern stellen auch ein deutliches Unfallrisiko dar. Darüber hinaus sagen 79%, dass „man auf der Fahrbahn bedrängt und behindert wird" und 75% fühlen sich gefährdet, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind.

Gesa Dickert, Vorstandsmitglied im ADFC Dresden e.V., sagt mit Hinblick auf die verschlechterte Fahrradsicherheit: „In einer Stadt mit einem so lückenhaften Radverkehrsnetz wie Dresden ist die Durchsetzung von Regeln und der Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer besonders wichtig. Wo dies nicht geschieht, beginnt der Auftrag der Polizei und des Ordnungsamtes."

Der ADFC wünscht sich ein konsequenteres Vorgehen der Polizei und des Ordnungsamtes gegen die Verstöße, die am häufigsten zu Unfällen führen. Bei ca. 66% der Fahrrad/Pkw-Unfälle liegt die Hauptschuld beim Pkw-Fahrer, so die Zahlen der Polizei. Bei Unfällen zwischen Lkw und Radfahrer sind es sogar ca. 80%. Typische Verstöße sind Missachtung von Vorfahrt, enges Vorbeifahren/Überholen, unangepasste Geschwindigkeit der Kraftfahrer (Rasen) und illegales Parken. Bei Unfällen zwischen Fahrrad und Pkw mit Hauptschuld beim Radfahrer (ca. 34%) sind es häufig Gehweg- oder Geisterradeln. 

Die Polizeidirektion Dresden und der ADFC hatte am 26. März eine gemeinsame Aktion gegen Geisterradeln am Schlesischen Platz durchgeführt. „Die Idee der gemeinsamen Aktion entstand in den Gesprächen, die wir laufend mit der Verkehrspolizeiinspektion führen. Es hat gut funktioniert und wir werden wieder gemeinsam kontrollieren."

Während Kontrollen der Polizei auf Einhaltung der Maximalgeschwindigkeit, Beachtung der Lichtsignale, Gehweg- und Geisteradeln regelmäßig stattfinden, vermisst der ADFC dringend Polizeikontrollen auf Einhaltung des vorgeschriebenen 1,5 m Sicherheitsabstand beim Vorbeifahren/Überholen von Radfahrern. „Sehr viele Autofahrer scheinen nicht zu wissen, dass 1,5 m Abstand lebenswichtig und vorgeschrieben ist, egal auf welchem Straßenteil man unterwegs ist" sagt Dickert.

Der ADFC vermisst des Weiteren eine Prioritätensetzung des Ordnungsamtes gegen Falschparker auf Rad- und Gehwegen und auf der Fahrbahn in Kreuzungsbereichen (Fünf-Meter-Regel). Bei Gefahr ist es nicht allein Aufgabe des Ordnungsamtens, sondern auch der Polizei, falsch parkende Fahrzeuge zu beseitigen. Die Polizei verweist jedoch grundsätzlich auf das Ordnungsamt. Auf vielen Radfahrstreifen der Stadt ist es üblich, dass illegal geparkt wird - und wenn auch nur „kurz". Gesa Dickert findet das empörend: „Ich habe den Eindruck, dass Polizei und Ordnungsamt vor den Falschparkern kapituliert haben. Die Chance, erwischt zu werden, ist viel zu gering und Autos werden überall abgestellt. Dadurch werden Radfahrer zum stressigen und potenziell gefährlichen Ausweichen gezwungen."

Hintergrund:

Abstände zwischen Fahrrädern und überholenden Autos werden von der Polizei in Sachsen bisher nicht kontrolliert. Kaum ein Autofahrer weiß daher überhaupt davon, wie viel Abstand zu Radfahrenden zu halten ist. Dass es auch anders geht zeigt Hamburg. In Dresdens Partnerstadt werden Sicherheitsabstände bei Schwerpunkteinsätzen bereits mitkontrolliert.

In einem neuen Gutachten der Unfallforschung der Versicherer (UDV) über Radfahrstreifen und Schutzstreifen wird zusammengefasst:

Viele Kraftfahrzeugführer nutzen die Streifen zum Halten oder Parken. Fast 40 % der beobachteten Radfahrer auf Schutzstreifen wurden dadurch behindert (Radfahrstreifen 10 %). Beim Überholen von Radfahrern auf den Streifen unterschreitet fast jedes zweite Kraftfahrzeug einen Seitenabstand von 150 cm. Die überholenden Kraftfahrzeuge orientieren sich dabei vor allem an den Markierungen auf der Fahrbahn und reagieren nur unzureichend auf die Position der Radfahrer. Oft überholen die Kraftfahrzeugführer den Radfahrer ohne Verlassen des eigenen Fahrstreifens."

Der Radmesser, ein Projekt des Tagesspiegels in Berlin, ermittelte mit 100 freiwilligen Radfahrenden in einem monatelangen Prozess, dass der vorgeschriebene Mindestabstand von 150 cm bei 56% aller Überholvorgänge nicht eingehalten wird. Auch auf ältere Personen wurde nicht mehr Rücksicht genommen. Wurden Kinder mit auf dem Rad transportiert, so erhöhte sich der durchschnittliche Überholabstand um 7cm; vorgesehen ist tatsächlich jedoch ein zusätzlicher Überholabstand von 50cm, also insgesamt von 2 Metern.

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