TPL_BEEZ2_NAV_VIEW_SEARCH

TPL_BEEZ2_NAVIGATION

2020 KoernerwegBlauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen um die 20°C: Am vergangenen Ostersonntag war wirklich bestes Radfahrwetter. Auch zu Ostern 2019 war es sonnig und warm. Wir haben uns die Radler-Zahlen am Elberadweg 2019 und 2020 einmal genauer angesehen und verglichen.

Die beiden Dauerzählstellen der Stadt Dresden, die auf etwa gleicher Höhe links und rechts der Elbe in den Asphalt des Radwegs an der Waldschlösschenbrücke eingelassen sind, zählen stundengenau den Radverkehr auf dem Elberadweg in Dresden.

Dieses Jahr waren am Ostersonntag im Vergleich zu 2019 durchschnittlich 67% mehr Radfahrende auf dem Elberadweg unterwegs. Dabei lag der Zuwachs linkselbisch (Altstadtseite) bei 32% und rechtselbisch (Neustadtseite) sogar bei 123%! 4660 Fahrräder erfasste die dortige Zählstelle am Waldschlößchen - also sogar in absoluten Zahlen mehr als auf Johannstädter Seite.

Sicherlich haben viele bereits bemerkt, dass die Dresdner in Zeiten der Krise bewusst vermehrt auf das Rad steigen, weil es gesunde Bewegung an der frischen Luft mit einer nur geringen viralen Ansteckungsgefahr verbindet. Doch wodurch ist der enorme Zuwachs auf der Waldschlößchenseite zu erklären, wo doch z. B. der dortige Biergarten verordnungsbedingt leider geschlossen bleiben muss?

Die Antwort liefert der 18.01.2020. An diesem Datum waren nämlich die Bauarbeiten für eine temporäre Asphaltdecke am vorher extrem holprigen Körnerweg nach nur zwei Tagen abgeschlossen. Der Abschnitt zwischen Blauem Wunder und Waldschlösschenbrücke ist seitdem mit dem Rad auch ohne Gehirnerschütterung und abfallende Gepäcktaschen befahrbar. Zwischen diesem Zeitpunkt und dem 17. März stieg die Zahl der Radfahrenden am rechtselbischen Waldschößchenzähler um 30,5% auf 40200. Das bedeutet für die ersten zwei Monate nach Körnerwegöffnung einen Zuwachs um 9400 Radfahrer gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

Investitionen in die Radverkehrsinfrastruktur lohnen sich

Danach legte die Rad-Nutzung auf dem Körnerweg weiter zu. Damit wird auch effektiv der im Sommer oft als zu voll kritisierte linkselbische Abschnitt des Elberadwegs entlastet, was vor allem auch die dortigen Spaziergänger freuen wird.

Der Vergleich macht sehr deutlich, dass Radverkehrsinfrastruktur nicht nur anhand momentaner oder vergangener Nutzungszahlen geplant werden sollte, sondern anhand des vorhandenen Potenzial und ambitionierter Ziele. Nur so kann die Verkehrswende klappen.

Die aktuellen Beschränkungen durch die Corona-Krise bieten ideale Voraussetzungen, um mit wenig Aufwand bzw. Behinderung des (deutlich reduzierten) motorisierten Individualverkehrs Verkehrsversuche wie die Umwidmung einzelner Fahrspuren für Radfahrende und Fußgänger, verkehrsberuhigte Wohnviertel oder zusätzliche (temporäre) Fahrradzählstellen einzurichten. Mit den daraus gewonnen Erkenntnissen könnte dann endlich das echte Fahrradpotenzial Dresdens ausgeschöpft werden.